Herzrhythmusstörungen besser behandeln – klinische Forschung im Kompetenznetz Vorhofflimmern

29.10.2018

Aus Anlass der Herzwochen informiert das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) über Herzrhythmusstörungen und deren Behandlung. Das AFNET führt große klinische Studien durch, um verbesserte Behandlungsansätze für Herzrhythmusstörungen zu überprüfen. Betroffene können an Studien des AFNET teilnehmen.

Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern, Tendenz steigend. Hauptsächlich ältere Menschen sind von dieser tückischen Herzrhythmusstörung betroffen. Vorhofflimmern ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, kann aber zu schweren Komplikationen führen, beispielsweise zum Schlaganfall. Um solche Folgekrankheiten zu verhindern, ist es wichtig, Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Behandlungsmethoden sind vielfältig und werden ständig weiter entwickelt. Trotz der beachtlichen Fortschritte in den vergangenen Jahren, sterben aber immer noch viele Menschen an den Folgen von Vorhofflimmern.

Herzstolpern und Druckgefühl im Brustkorb sind typische Symptome von Vorhofflimmern (Bild: AFNET)

Das AFNET hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Behandlung von Herzerkrankungen, insbesondere von Vorhofflimmern, durch unabhängige klinische Forschung zu verbessern. Es führt deshalb deutschlandweite und internationale Studien durch, in denen spezielle Fragestellungen, die sich aus der Behandlungspraxis ergeben haben, untersucht werden. „Bei den AFNET Studien handelt es sich um sogenannte wissenschaftsinitiierte Studien, die allein dem Erkenntnisgewinn dienen und nicht von kommerziellen Interessen getrieben sind. Solche Studien sind für die Versorgungspraxis unabdingbar. Patienten profitieren davon, dass etablierte Behandlungskonzepte in wissenschaftsinitiierten Studien kontinuierlich überprüft und verbessert werden.“ erklärt AFNET Vorstandsmitglied Prof. Andreas Götte.

Da beim Vorhofflimmern im Herzen Blutgerinnsel entstehen können, geht die Rhythmusstörung mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle einher. Um das Schlaganfallrisiko zu senken, benötigen die meisten Betroffenen gerinnungshemmende Medikamente. Mehrere aktuelle Studien des AFNET zielen darauf ab, die gerinnungshemmende Therapie zu optimieren. Zwei Beispiele für spezielle Patientengruppen sind die Studien NOAH – AFNET 6 und AXADIA – AFNET 8.

NOAH – AFNET 6 Studie

Aus bisherigen Studien ist bekannt, dass bereits Frühformen von Vorhofflimmern, sogenannte atriale Hochfrequenzepisoden, das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, erhöhen können. Durch die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten kann dieses Risiko gesenkt werden. Diese Medikamente erhöhen allerdings als Nebenwirkung die Gefahr von Blutungen. Bisher ist unklar, ob die Einnahme von Blutgerinnungshemmern vorteilhaft oder nachteilig für die Patienten mit atrialen Hochfrequenzepisoden ist. Das Ziel der NOAH – AFNET 6 Studie ist es, dies herauszufinden.

Die Studienteilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip in zwei Testgruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhält den Wirkstoff Edoxaban und die andere Gruppe erhält zum Vergleich Placebo oder Aspirin. Ein Placebo ist eine Tablette ohne Wirkstoff. Die Patienten erfahren nicht, zu welcher Testgruppe sie gehören. Edoxaban ist ein in Deutschland zugelassenes Medikament zur Blutgerinnungshemmung. Für die Behandlung von Patienten mit atrialen Hochfrequenzepisoden ist es allerdings noch nicht zugelassen.

Die Studie wurde 2016 gestartet und läuft in 16 europäischen Ländern. Über 700 Patienten wurden bereits eingeschlossen. Teilnehmen können Menschen, die über 65 Jahre alt sind, einen Herzschrittmacher oder Defibrillator haben, und bei denen mit Hilfe dieses implantierten Gerätes atriale Hochfrequenzepisoden festgestellt wurden.

AXADIA – AFNET 8 Studie

Ein besonders hohes Risiko für Schlaganfälle und für Hirnblutungen haben Menschen, die an chronischem Nierenversagen und zugleich an Vorhofflimmern leiden. Sie brauchen dringend eine gerinnungshemmende Therapie zur Vorbeugung vor Schlaganfällen, was aber besonders schwierig ist, da gerinnungshemmende Medikamente immer auch das Blutungsrisiko erhöhen. Bis jetzt gibt es für diese Patienten, die auf Hämodialyse angewiesen sind, keine durch Studien untermauerte Empfehlung für die gerinnungshemmende Therapie. Deshalb wird die AXADIA – AFNET 8 Studie durchgeführt.

Die Studienteilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeordnet, in der sie entweder Apixaban oder Phenprocoumon (Marcumar) erhalten. Apixaban ist in Deutschland seit einigen Jahren für die Gerinnungshemmung bei Vorhofflimmerpatienten zugelassen. Aber ob es auch für nierenkranke Patienten vorteilhaft ist, ist bisher unklar.

Die Studie läuft seit 2017 in Deutschland und hat bis jetzt etwa 50 Patienten eingeschlossen. Teilnehmen können dialyseabhängige Patienten mit chronischem Nierenversagen bei gleichzeitigem Vorhofflimmern.

Vorteile der Studienteilnahme

Wenn Patienten die Einschlusskriterien für NOAH – AFNET 6 oder AXADIA – AFNET 8 erfüllen, können sie nach Prüfung durch einen Studienarzt in die Studien eingeschlossen werden. Prof. Götte erklärt, welche Vorteile Studienteilnehmer genießen: „ Patienten, die an einer klinischen Studie teilnehmen, profitieren direkt von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und erhalten eine besonders intensive Betreuung durch anerkannte Spezialisten. Dabei leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Erforschung von Vorhofflimmern und helfen mit, die Therapie zu verbessern.“

Patienten, die an einer Studienteilnahme interessiert sind, können sich an die AFNET Geschäftsstelle wenden  und erhalten dort genauere Informationen.

Weitere Informationen über Vorhofflimmern

Patienteninformation: Vorhofflimmern – Herz aus dem Takt
Broschüre, 56 Seiten, Bestellung oder Download hier.

Erklär-Videos zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie von Vorhofflimmern
Experte: Prof. Andreas Götte, Paderborn, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und im Vorstand des Kompetenznetzes Vorhofflimmern e.V. (AFNET)

 

Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen deutschlandweit zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, die Behandlung und Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland, Europa und den USA durch koordinierte Forschung zu verbessern. Dazu führt das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. wissenschaftsinitiierte klinische Studien (investigator initiated trials = IIT) und Register auf nationaler und internationaler Ebene durch. Der Verein ist aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetz Vorhofflimmern hervorgegangen. Seit Januar 2015 werden einzelne Projekte und Infrastrukturen des AFNET vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) gefördert. Zu den geförderten Projekten zählt unter anderem die NOAH – AFNET 6 Studie.

Herzwochen

Die Herzwochen sind eine Aufklärungskampagne zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die die Deutsche Herzstiftung jedes Jahr im November bundesweit durchführt. Das Thema in diesem Jahr ist Vorhofflimmern. Im Rahmen der Herzwochen finden an zahlreichen Orten Informationsveranstaltungen für Betroffene statt. An einigen der Veranstaltungen ist das Kompetenznetz Vorhofflimmern als Partner beteiligt. Hier finden Sie eine Auswahl von Veranstaltungen der Kliniken, die im AFNET Mitglied sind: https://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de rechte Spalte „Termine“.

Adresse

Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)
Mendelstraße 11
48149 Münster
Tel: +49 251 9801340
info@kompetenznetz-vorhofflimmern.de

Pressekontakt

Angelika Leute, PhD
Tel: +49 202 2623395
a.leute@t-online.de