Kardiologen fordern umfassende Behandlung bei Vorhofflimmern

24.06.2010

Ergebnis der AFNET-EHRA-Konsensuskonferenz

Vorhofflimmern ist eine fortschreitende und an Häufigkeit zunehmende Volkskrankheit. Rund eine Million Menschen in Deutschland sind betroffen. Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko, beeinträchtigt die Lebensqualität und ist mit einem vorzeitigen Versterben assoziiert. Doch diese Folgen der Rhythmusstörung können durch die aktuell verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten einschließlich der modernen rhythmuserhaltenden Behandlung  nicht zuverlässig verhindert werden. Experten fordern deshalb eine frühere und umfassendere Versorgung von Vorhofflimmerpatienten. Dies ist das Ergebnis eines internationalen Expertengipfels.

Veranstaltet wurde die Konsensuskonferenz, an der im Oktober 2008 rund 70 Vorhofflimmerspezialisten aus Wissenschaft und Industrie teilnahmen, gemeinsam vom Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) und der European Heart Rhythm Association (EHRA). Initiatoren sind die Kardiologen Günter Breithardt und Paulus Kirchhof aus Münster sowie John Camm aus London und Harry Crijns aus Maastricht. Die Ergebnisse der Konferenz wurden nun im European Heart Journal (executive summary, 2) und im Europace Journal (full paper, 1) publiziert und auf dem Europace Kongress in Berlin vorgestellt. 

In der Konsensuskonferenz identifizierten die beteiligten Wissenschaftler Forschungsbedarf in den folgenden Bereichen:

  • Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen der Rhythmusstörung
  • Monitoring und Management der rhythmuserhaltenden Therapie
  • Validierung und Einführung eines umfassenden kardiovaskulären Risikomanagement bei Vorhofflimmerpatienten

Die Experten sprachen die Erwartung aus, dass eine angemessene Behandlung von Vorhofflimmern in Zukunft wahrscheinlich eine Kombination mehrerer Behandlungsprinzipien umfassen sollte, nämlich:

  • konsequente Behandlung der zugrundeliegenden und begleitenden Erkrankungen
  • kontinuierliche antithrombotische Behandlung
  • frühe und umfassende rhythmuserhaltende Therapie und
  • angemessene Regularisierung der Herzfrequenz

Prof. Kirchhof und die anderen Veranstalter der Konsensuskonferenz sind zuversichtlich: „Wir hoffen, dass die Konferenz und die Veröffentlichung der Ergebnisse dazu beitragen werden, die Forschung zu stimulieren und die Versorgung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern.“

Die European Heart Rhythm Association (EHRA) ist die europäische Fachgesellschaft für Rhythmusstörungen. Sie ist ein Teil der European Society of Cardiology (ESC), der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie. Die EHRA ist hervorgegangen aus den ESC-Arbeitsgruppen für Herzschrittmacher und Herzrhythmusstörungen. www.escardio.org

Literatur
1. Kirchhof P, Bax J, Blomstrom-Lundquist C, Calkins H, Camm AJ, Cappato R, Cosio F, Crijns H, Diener HC, Goette A, Israel CW, Kuck KH, Lip G, Nattel S, Page R, Ravens U, Schotten U, Steinbeck G, Vardas P, Waldo A, Wegscheider K, Willems S, Breithardt G. Early and comprehensive management of AF: Proceedings from the 2nd AFNET-EHRA consensus conference on atrial fibrillation entitled “research perspectives in AF”. Europace 2009; im Druck, online publiziert am 16.06.2009
2. Kirchhof P, Bax J, Blomstrom-Lundquist C, Calkins H, Camm AJ, Cappato R, Cosio F, Crijns H, Diener HC, Goette A, Israel CW, Kuck KH, Lip G, Nattel S, Page R, Ravens U, Schotten U, Steinbeck G, Vardas P, Waldo A, Wegscheider K, Willems S, Breithardt G. Early and comprehensive management of AF: Exectuvie summary of the proceedings from the 2nd AFNET-EHRA consensus conference “research perspectives in AF”. Eur Heart J 2009; im Druck, online publiziert am 17.06.2009