Vorhofflimmern behandeln - Schlaganfälle verhindern

06.06.2011

Patienten mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Viele Schlaganfälle ließen sich jedoch vermeiden, wenn das Vorhofflimmern angemessen behandelt würde. Anlässlich der heute beginnenden Weltherzrhythmuswoche warnen Ärzte und Wissenschaftler des Kompetenznetzes Vorhofflimmern vor den Gefahren dieser Herzrhythmusstörung und machen auf die Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam. Neue Studiendaten geben Aufschluss über die Qualität der Behandlung in Deutschland.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. In Deutschland sind rund eine Million überwiegend ältere Menschen betroffen, Tendenz steigend. Die Rhythmusstörung ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, kann aber zu schweren Komplikationen führen, insbesondere zum Schlaganfall. Während des Flimmerns ist die Pumpfunktion in den Herzvorhöfen eingeschränkt, so dass sich dort Blutgerinnsel bilden können. Wird ein solches Gerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült, kann es dort ein Gefäß verstopfen und so zum Schlaganfall führen. Aufgrund dieses Risikos darf Vorhofflimmern in der Regel nicht unbehandelt bleiben.

Entscheidend ist, dass die Rhythmusstörung frühzeitig erkannt wird. Mit einem normalen  EKG kann der Arzt Vorhofflimmern zweifelsfrei diagnostizieren, aber nur wenn es gerade besteht. Bei vielen Patienten tritt Vorhofflimmern aber anfallsartig auf. Genau so plötzlich wie die Rhythmusstörung kommt, verschwindet sie auch wieder. Hier können nur Langzeit-Registrierungen des EKGs weiterhelfen. Typisch für diese Rhythmusstörung ist aber auch ein völlig unregelmäßiger Pulsschlag – das Herz gerät komplett aus dem Takt. Jeder sollte deshalb regelmäßig seinen Puls kontrollieren. Wenn der Herzschlag unregelmäßig oder zu schnell ist, sollte man zum Arzt gehen, um abzuklären, ob Vorhofflimmern oder eine andere Rhythmusstörung vorliegt.

Aktuelle Behandlungsempfehlungen

  • Wenn im EKG Vorhofflimmern festgestellt wird, empfehlen die aktuellen Behandlungsleitlinien folgende Maßnahmen:
    Zunächst muss untersucht werden, ob Begleiterkrankungen, die zu Vorhofflimmern führen können, wie zum Beispiel Bluthochdruck, koranare Herzkrankheit oder Diabetes, vorliegen. Solche Begleitkrankheiten müssen behandelt werden.
  • Zur Senkung des Schlaganfallrisikos ist bei den meisten Patienten eine dauerhafte Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, zum Beispiel Marcumar notwendig. Alternativ zu Marcumar werden in nächster Zeit auch andere antithrombotische Medikamente verfügbar sein, die sich zurzeit im Zulassungsverfahren befinden.
  • Da Vorhofflimmern oft mit einem zu schnellen Herzschlag einhergeht, sind in den meisten Fällen Medikamente nötig, die die Herzfrequenz regulieren, das heißt dafür sorgen, dass der Ruhepuls nicht höher als 100 Schläge pro Minute steigt, damit es nicht zu einer Schädigung des Herzmuskels kommt.

Diese Maßnahmen beseitigen zwar nicht das Vorhofflimmern selbst, aber verhindern dessen gefährliche Folgen. Bei vielen Patienten ist daher keine weitere Therapie notwendig.

Wenn das Vorhofflimmern allerdings mit sehr unangenehmen, stark belastenden Symptomen wie Atemnot oder Herzrasen auftritt, ist eine rhythmuserhaltende Behandlung sinnvoll, in der versucht wird, den Sinusrhythmus dauerhaft wieder herzustellen. Antiarrhythmische Medikamente können in vielen Fällen das Vorhofflimmern verhindern. Allerdings hält die Wirkung meist nicht dauerhaft an. Außerdem sind alle Rhythmusmedikamente mit Nebenwirkungen verbunden. In jüngster Zeit sind vielversprechende neue Substanzen auf den Markt gekommen bzw. stehen kurz vor der Zulassung.
 
Wenn Rhythmusmedikamente nicht erfolgreich sind oder nicht angewandt werden können, besteht die Möglichkeit einer Katheterablation. Dabei werden im Herzinneren bestimmte Orte, die für die Rhythmusstörung verantwortlich sind, mit einem Herzkatheter verödet, so dass die schädlichen elektrischen Impulse, die von dort ausgehen und das Flimmern verursachen, sich nicht weiter ausbreiten können. Dadurch lässt sich in vielen Fällen der Sinusrhythmus dauerhaft wieder herstellen. Allerdings ist der Kathetereingriff nicht in jedem Fall erfolgreich, und es können Komplikationen auftreten.

Behandlungsqualität in Deutschland

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) hat das Auftreten und die Behandlung von Vorhofflimmern in Deutschland in einem großen bundesweiten Register erfasst und dokumentiert. Das Register enthält die Daten von rund 10000 Patienten. Anders als bei den meisten anderen Studien stammen die Patienten des AFNET Registers aus allen Ebenen der medizinischen Versorgung, das heißt aus großen Zentren der Maximalversorgung (z.B. Universitätskliniken), aus kleineren regionalen Krankenhäusern, aus kardiologischen Fachpraxen und aus gewöhnlichen Hausarztpraxen. 

Die Registerdaten zeigen, dass die Behandlung von Vorhofflimmern insgesamt überwiegend leitliniengerecht durchgeführt wird. Allerdings hat sich herausgestellt, dass gerade bei der  Schlaganfallvorbeugung oft zu wenig getan wird. Hier fallen insbesondere Unterschiede zwischen den verschiedenen Versorgungsebenen auf: Eine angemessene leitliniengerechte antithrombotische Behandlung erfolgt in den spezialisierten Fachzentren, also in Universitätskliniken und bei niedergelassenen Kardiologen häufiger (ca. 70 %) als in den weniger spezialisierten regionalen Krankenhäusern und Hausarztpraxen (ca. 50%). Das bedeutet, vor allem in kleineren Krankenhäusern und bei Hausärzten gibt es relativ viele Vorhofflimmerpatienten mit hohem Schlaganfallrisiko, die eigentlich gerinnungshemmende Medikamente nötig hätten, aber nicht entsprechend behandelt werden. Um dies zu verbessern, fordern die Kardiologen des Kompetenznetzes Vorhofflimmern eine intensivere Schulung der Ärzte hinsichtlich der aktuellen Behandlungsleitlinien im Bereich der Schlaganfallvorbeugung. 

Die Welt-Herzrhythmus-Woche

Ausgehend von einer britischen Initiative wird seit 2004 alljährlich im Juni die Welt-Herzrhythmus-Woche ausgerufen, um Rhythmusstörungen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern unterstützt diese internationale Informationskampagne.

http://www.aaaw.org.uk/