Wie macht sich Vorhofflimmern bemerkbar?

Der erste Anfall von Vorhofflimmern wird meist als dramatisch empfunden und führt nicht selten auf Veranlassung des Patienten zur Notaufnahme in eine Klinik. Plötzlich einsetzendes Herzstolpern, Herzschlag bis zum Hals, Druckgefühl im Brustkorb, Angst, Atemnot, Schweißausbruch und Schwindel lösen bei vielen Betroffenen Panik aus. Manche glauben, ihre „letzte Stunde“ sei gekommen, andere denken, sie hätten einen Herzinfarkt. Häufig hört das Vorhofflimmern nach mehreren Stunden plötzlich wieder auf, und der Patient stellt fest, dass es ihm sogleich besser geht. Diese Form der Rhythmusstörung nennt man anfallsweises oder paroxysmales Vorhofflimmern. Falls das Vorhofflimmern weiter anhält – man spricht dann von persistierendem Vorhofflimmern – lässt sich der Anfall im Krankenhaus rasch durch eine medikamentöse oder elektrische Kardioversion beenden.

In den nachfolgenden Wochen und Monaten haben die Patienten ein erhöhtes Risiko für erneute Vorhofflimmeranfälle, verbunden mit mehr oder minder starken Beschwerden und einer Einschränkung ihrer gewohnten Lebensführung. Für einige Betroffene ist das subjektiv belastend. Sie versuchen die Anfälle durch entsprechende Verhaltensweisen zu vermeiden. Bei jüngeren Menschen sind Auslöser von Vorhofflimmern Alkoholgenuss, üppiges Essen oder Stress. Bei manchen beginnt die Rhythmusstörung in den frühen Morgenstunden, bei anderen während oder unmittelbar nach körperlicher Belastung oft in Verbindung mit stärkerem Schwitzen. Die meisten Menschen mit anfallsweisem Vorhofflimmern kommen im Laufe der Zeit zu der Erkenntnis, dass  Vorhofflimmeranfälle auch ohne jeden Anlass plötzlich und unerwartet auftreten und ebenso enden. Bei der Mehrzahl der Betroffenen besteht die Tendenz, dass sich die Anfälle im Laufe der Zeit häufen und nicht mehr spontan enden.

Viel seltener tritt Vorhofflimmern von Anfang an in der anhaltenden (persistierenden) Form auf. Jüngere Patienten spüren zwar meist den Beginn, da die Herzfrequenz plötzlich erhöht ist. Aber die Beschwerden sind weniger ausgeprägt und mehr durch Leistungsschwäche oder Atemnot bei  Belastung als durch das Gefühl des Herzjagens wie bei den oben beschriebenen Anfällen charakterisiert. Die Rhythmusstörung fällt dann erstmals durch Pulsfühlen oder gar ein EKG auf. Wenn die Herzfrequenz bei anhaltendem Vorhofflimmern zu hoch bleibt, kann dies zu einer Herzschwäche führen.

Patienten im hohen Lebensalter vertragen Vorhofflimmeranfälle relativ gut, viele bemerken sie überhaupt nicht. Gleiches gilt für den Eintritt von anhaltendem Vorhofflimmern. In diesen Fällen liegt eine altersbedingte Trägheit der elektrischen Erregungsübertragung von den Vorhöfen zu den Kammern vor, wodurch eine zu schnelle Schlagfolge der Herzkammern verhindert wird, ganz im Gegensatz zu jüngeren Patienten mit intakter Überleitung, bei denen die Herzkammern unter Vorhofflimmern nicht selten mit 160 bis 180 Schlägen pro Minute schlagen können (siehe hierzu auch Seite 16 ff ). Obwohl Vorhofflimmern im hohen Alter relativ häufig vorkommt – etwa zehn Prozent aller 70- bis 80-Jährigen leiden daran – kann man nicht einfach argumentieren, das sei in diesem Alter ja normal. Denn die Rhythmusstörung kann unbehandelt zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

 

Ruhe-EKG

Durch Tasten des Pulses und Abhören mit dem Stethoskop kann der Arzt Vorhofflimmern diagnostizieren. Dokumentiert und bestätigt wird Vorhofflimmern im EKG. Das Foto zeigt die Ableitung eines Ruhe-EKGs.

 

 

 

 

Warum Vorhofflimmern behandelt werden muss       

Vorhofflimmern erhöht ebenso wie Bluthochdruck das Risiko für einen Schlaganfall. Leider wird die Rhythmusstörung bei älteren Patienten manchmal erst diagnostiziert, wenn bereits ein akuter Schlaganfall eingetreten ist. Da sich beim Vorhofflimmern der linke Vorhof nicht mehr wirkungsvoll zusammenzieht, können sich Gerinnsel im linken Vorhofohr bilden. Wird ein solches Gerinnsel in den Gehirnkreislauf verschleppt, kann es dort ein Blutgefäß verstopfen und einen meist massiven

Schlaganfall hervorrufen. Daher ist eine lebenslange Einnahme blutgerinnungshemmender Medikamente (Antikoagulanzien) bei den meisten Vorhofflimmerpatienten ein unbedingtes Muss.

Um Schlaganfälle wirksam zu verhindern, muss Vorhofflimmern möglichst frühzeitig entdeckt werden, insbesondere bei älteren Menschen, denn sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko, durch Vorhofflimmern einen Schlaganfall zu erleiden. Durch eine rechtzeitige gerinnungshemmende Therapie kann man das Risiko für einen Schlaganfall um 70 bis 80 Prozent senken. Ärzte sollten deshalb bei allen – auch bei älteren – Patienten systematisch nach dem Vorliegen von  Vorhofflimmern fahnden.

Auch bei jüngeren Patienten sollte die Rhythmusstörung nach Möglichkeit frühzeitig diagnostiziert werden. Denn Vorhofflimmern ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der sich mit zunehmender Anfallsdauer und -häufigkeit schließlich anhaltendes Vorhofflimmern entwickelt. Dies kann innerhalb von Monaten oder auch erst nach Jahren eintreten. Der Zeitverlauf ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Wird die Rhythmusstörung frühzeitig entdeckt, besteht die Chance, Vorhofflimmern zu beseitigen und dauerhaft einen stabilen Sinusrhythmus zu erreichen. Dies kann in vielen Fällen durch rhythmuserhaltende Medikamente (Antiarrhythmika) oder durch eine nichtmedikamentöse Therapie (Katheterablation) bewirkt werden.

Wenn eine antiarrhythmische Therapie nicht erfolgreich ist oder vom Patienten nicht vertragen oder nicht gewünscht wird, kann der Arzt sich entscheiden, anhaltendes Vorhofflimmern bestehen zu lassen. In diesem Fall ist darauf zu achten, dass die Kammerfrequenz in einem akzeptablen Bereich liegt – am besten zwischen 70 und 80 Schlägen pro Minute in Ruhe. Um dies zu erreichen, bedarf es bei jüngeren Patienten praktisch immer einer medikamentösen Therapie.

Falls der Kardiologe nach Abstimmung mit dem Patienten eine Behandlung wählt, die das Ziel verfolgt, den Sinusrhythmus wiederherzustellen und möglichst dauerhaft zu erhalten, sollten alle Maßnahmen frühzeitig durchgeführt werden. Denn bei länger bestehendem Vorhofflimmern nimmt die Chance, einen stabilen Sinusrhythmus zu erzielen, ab.

Unabhängig davon, ob rhythmuserhaltende Maßnahmen durchgeführt werden oder nicht, muss die Mehrzahl aller Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern dauerhaft orale Antikoagulanzien einnehmen, um einen Schlaganfall zu verhindern. Außerdem sollten die dem Vorhofflimmern oft zu Grunde liegenden Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und Herzschwäche konsequent behandelt werden.

 

Kardioversion, demonstriert an einer Puppe

In der Regel hört das anfallsweise Vorhofflimmern innerhalb von 48 Stunden von selbst wieder auf. Wenn nicht, sollte der Arzt es beseitigen. Dies kann auf zweierlei Weise geschehen, entweder durch die Verabreichung von Medikamenten unter laufender EKG-Kontrolle oder durch eine sogenannte elektrische Kardioversion in Kurznarkose. Durch solche Maßnahmen kommt es zum schlagartigen „Umspringen“ von der absoluten Arrhythmie in den normalen Sinusrhythmus. Bei der elektrischen Kardioversion beendet der Arzt das Flimmern mit einem Stromstoß aus dem Defibrillator.