Grunderkrankungen

Die Krankheit an der Wurzel behandeln

Vorhofflimmern kann durch sehr verschiedene Grunderkrankungen des Herzens verursacht werden.  Das Auftreten von Vorhofflimmern sollte daher zum Anlass genommen werden, diese Grundkrankheit so weit wie möglich abzuklären und zu behandeln. Blutdruckmessung, Belastungstest, Ultraschall des Herzens (Echokardiographie), Langzeit-EKG, Lungenfunktionstest, Schilddrüsenfunktionsprüfung und einige andere Untersuchungen stellen dabei die ersten Schritte dar. In manchen Fällen ist eine weiterführende Diagnostik durch Herzkatheter oder  elektrophysiologische Untersuchung (Rhythmusherzkatheter) erforderlich.

Ein wichtiges diagnostisches Verfahren ist die Echokardiographie, die Untersuchung des Herzens mit Ultraschall. Damit können zum Beispiel Erkrankungen der Herzklappen oder des Herzmuskels diagnostiziert oder die Größe der Vorhöfe bestimmt werden.

Akut auslösende Ursachen des Vorhofflimmerns können in vielen Fällen leicht ausgemacht und behandelt werden. So kann zum Beispiel übermäßiger Alkoholgenuss diese Rhythmusstörung auslösen. Man spricht vom „holiday-heart-syndrome“, obgleich dieses Phänomen nicht nur im Urlaub auftritt! Operationen, besonders Herzoperationen, ein Herzinfarkt, Entzündungen des Herzmuskelgewebes, Lungenembolien und chronische Lungenerkrankungen, eine Überfunktion der Schilddrüse – all dies sind akut auslösende Erkrankungen, nach deren Abklingen sich der normale Sinusrhythmus wieder dauerhaft einstellen kann.

Chronische Grunderkrankungen des Herzens oder prädisponierende Faktoren, die Vorhofflimmern verursachen, müssen behandelt werden. Oft kann dadurch eine Normalisierung des Herzrhythmus erreicht werden, und zwar umso eher, je kürzer das Vorhofflimmern besteht. Außerdem wird das Auftreten von Komplikationen deutlich reduziert.

Herzkrankheiten können Vorhofflimmern verursachen

Herzklappenerkrankungen gehen oft mit Vorhofflimmern einher. Insbesondere Erkrankungen der Mitralklappe, der Herzklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer, führen leicht zu Vorhofflimmern und damit zu Embolien und Schlaganfall. Schließt eine Mitralklappe nicht richtig (Mitralklappeninsuffizienz), kommt es infolge des zurückgeworfenen Blutvolumens zu einer Erweiterung des Vorhofes, durch die das Vorhofflimmern erzeugt wird. Eine operative oder durch Kathetertechniken erreichte Verkleinerung des Klappenansatzringes (Mitralklappenraffung) oder ein Klappenersatz wird in manchen herzchirurgischen Zentren begleitet von einer so genannten linearen Ablation im Bereich des linken Vorhofes, die ein Neuauftreten der Rhythmusstörungen verhindern kann.

Bei mehr als der Hälfte aller Patienten mit Vorhofflimmern wird Bluthochdruck festgestellt. Eine Erweiterung des Vorhofes und dadurch bedingte zelluläre Stoffwechselmechanismen oder eine bindegewebige Veränderung sind als Ursache anzusehen. Die sorgfältige Einstellung durch blutdrucksenkende Medikamente ist auch zur Vermeidung weiterer Komplikationen erforderlich. ACE-Hemmer und sogenannte AT1-Antagonisten zeigen dabei offenbar direkte Wirkungen auf das Vorhofgewebe, die über die reine Blutdrucksenkung hinausgehen. Beta-Blocker und Diuretika sind weitere Eckpfeiler der Hochdrucktherapie. Inwiefern die neuartige Hochdruckbehandlung mit Denervierung der Nierenarterien und der damit verminderte Sympathikus-Reiz das Vorhofflimmern direkt beeinflusst, bleibt zu untersuchen.

Eine koronare Herzkrankheit (Verengung von Herzkranzarterien) liegt bei etwa 20 Prozent aller Vorhofflimmerpatienten vor. Vorhofflimmern ist mitunter das erste Zeichen dieser Erkrankung. Durch Ballontechniken, manchmal auch mit einer Gefäßstütze (Stent), oder durch eine Bypass-Operation lässt sich diese Erkrankung gut und bei Einstellung aller Risikofaktoren auch recht dauerhaft behandeln.

Verschiedene Herzmuskelerkrankungen (dilative oder hypertrophe Kardiomyopathien, die Myokarditis und andere) führen durch Schwächung der Herzleistung zu Vorhofflimmern und werden bei rund 15 Prozent aller Vorhofflimmerpatienten nachgewiesen. Die Entlastung des Herzens und die Durchbrechung eines schädigenden Kompensations-Kreislaufes mit Medikamenten, wie sie auch zur Blutdrucksenkung verwendet werden, ist die Methode der Wahl. Speziell bei der hypertrophen Kardiomyopathie kann ein neu auftretendes Vorhofflimmern den Krankheitszustand akut verschlechtern und muss deshalb durch eine rhythmisierende Behandlung schnellstmöglich beendet werden. Ein schnell übergeleitetes Vorhofflimmern (Tachyarrhythmia absoluta) mit anhaltend hohen Herzfrequenzen belastet und schädigt das Herz dauerhaft. Eine derartige Tachykardiomyopathie kann sehr bedrohliche Zeichen der Herzschwäche annehmen und erfordert ein rasches Eingreifen. Durch die elektrische Kardioversion wird der Rhythmus wieder normalisiert, gleichwohl dauert die Erholung des Herzensnach einer derartigen Episode sehr lang. Kann der Sinusrhythmus nicht dauerhaft gehalten werden und führt eine medikamentöse Frequenzregulierung nicht zu normalen Herzfrequenzen, muss ein nicht-medikamentöses Vorgehen in Form einer Katheterablation gewählt werden.

Eine schwere Schädigung des Herzmuskels kann über das Vorhofflimmern hinaus auch zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen (Kammerflimmern). Da die Herzmuskelerkrankung oft nicht ursächlich zu behandeln ist, lässt sich das bedrohliche Herzkammerflimmern nichtzuverlässig unterbinden. Deshalb ist bei diesen Patienten die Implantation eines schützenden Defibrillators erforderlich.

Bei Patienten mit verminderter Herzleistung bei Linksschenkelblock im EKG liegt oft eine mangelhafte Koordinierung der beiden Herzkammern vor, die durch die Implantation eines beide Herzkammern stimulierenden Defibrillators oder Schrittmachers verbessert werden kann (kardiale Resynchronisationstherapie).

Echo

MRT

Echokardiographie (oben) und Magnetresonanztomographie (MRT) (unten) erlauben einen direkten "Blick ins Herz". So können Schäden an Herzkammern oder Herzklappen erfasst werden, die zum Auftreten von Vorhofflimmern beitragen.

 

Andere chronische Grunderkrankungen

Die Sauerstoffuntersättigung des Blutes bei chronischen Lungenerkrankungen oder beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom während der nächtlichen Schlafphasen kann ebenfalls zu Vorhofflimmern führen. Infektionsbekämpfung, Medikamente zur Bronchienerweiterung, im Einzelfall auch die ambulante Anwendung von Sauerstoffgeräten können den Sauerstoffmangel zumindest zeitweise verhindern.

Eher selten wird das Vorhofflimmern durch Fehlfunktion des autonomen Nervensystems getriggert (ausgelöst). Sowohl ein Überschießen des Parasympathikus als auch seines Gegenspielers, des Sympathikus, kann Vorhofflimmern verursachen. Bei der einen Form führt eine Schrittmacherbehandlung, bei der anderen eine Beta-Blocker-Therapie zu einer deutlichen Verminderung der Vorhofflimmerlast (Häufigkeit und Dauer der Anfälle).

Mitunter wird Vorhofflimmern durch andere Rhythmusstörungen ausgelöst, die sehr gut durch eine Katheterablation, das heißt durch Verödung der Quelle oder der elektrischen Leitungsbahn, geheilt werden können. Das Wolff-Parkinson-White (WPW)-Syndrom ist durch eine zusätzliche Leitungsbahn charakterisiert, über die Vorhofflimmern entstehen kann, die aber auch zu gefährlich hohen Herzfrequenzen führen kann. Die Katheterablation dieser zusätzlichen Bahn, eine elektrophysiologische Routine-Behandlung, normalisiert die Rhythmusstörung und verhindert das Auftreten von Vorhofflimmern. Dies trifft auch für weitere primäre Rhythmusstörungen zu wie das Vorhofflattern und die so genannte AV-Reentry-Tachykardie.

Viele Krankheiten führen zu strukturellen oder funktionellen Veränderungen der Herzmuskulatur. Bei den betroffenen Patienten können Ereignisse, die normalerweise harmlos sind, Vorhofflimmerepisoden auslösen. Solche Triggerereignisse sind zum Beispiel: Alkoholgenuss, Schlafentzug, emotionaler Stress, Koffein, starke körperliche Belastung oder eine opulente Mahlzeit.

Trotz aller diagnostischen Bemühungen ist eine ursächliche Zuordnung des Vorhofflimmerns zu bestimmten Herz-Lungen-Erkrankungen nicht immer möglich. Man spricht dann von alleinigem und isoliertem Vorhofflimmern (lone atrial fibrillation). Längerfristige Beobachtungen und sorgfältige Untersuchungen lassen dabei jedoch in manchen Fällen eine genetisch oder entzündlich bedingte Form erkennen.

Vorhofflimmern kann also die unterschiedlichsten Ursachen haben. Oft ist es dabei nur ein Symptom, das zur Behandlung der eigentlichen Grunderkrankung mahnt. Erforderlich sind eine sorgfältige Diagnostik und Therapie, die auf die Erkrankung an sich zielen und damit die Grundlage bieten, Vorhofflimmer-Episoden zu verhindern.